Die Technik des Zerrdrucks geht zurück auf den niedersächsischen Grafiker und Maler Heinz-Jürgen Bredemeyer (1940-2008). Bereits 1967 – noch vor der digitalen Bildbearbeitung – konnten mit dieser Technik verzerrte bzw. verformte Bilder hergestellt werden: Hierfür überträgt man das nicht verzerrte Bild auf eine Knetmasse, wodurch ein verzerrtes bzw. verformtes Bild hergestellt werden kann, das im letzten Arbeitsgang als Druckvorlage dient. Bredemeyer verzerrte mit dieser besonderen Technik gerne menschliche Gehirne, Gesichter von Prominenten, Autos oder Texte.
Technik im Detail: Klischee und Silikonkautschuk
Bei der Zerrdrucktechnik treffen harte und weiche Materialien aufeinander. Das nicht verzerrte Bild befindet sich auf der Druckerplatte, dem Klischee. Das Klischee besteht aus Zink, Kupfer, Kunststoff oder auch aus Aluminium und Magnesium. Das zu druckende Motiv wird als Negativ auf das Klischee belichtet. Die belichteten Bereiche auf dem Klischee härten, während die unbelichteten – also die Stellen, die nicht gedruckt werden sollen – vertieft werden können, sodass der druckbare Bereich höher steht.
Im nächsten Arbeitsgang wird das Motiv der Druckerplatte auf eine weiche Masse aus Silikonkautschuk übertragen. Die hohen Stellen des Klischees hinterlassen Formen, Linien, Konturen usf. in der flexiblen Masse. Nun kann das Motiv beliebig bearbeitet, also verzerrt, gequetscht, verformt usf. werden. Die bearbeitete Silikonmasse dient dann als Druckvorlage. Bekannt geworden ist die Technik unter anderem auch durch die sogenannten Gehirnbilder Bredemeyers.
Bredemeyers Kunst: Hirnbürger oder Hirnverbrannt
Bredemeyer beschäftigte sich einige Jahre mit der Struktur des Gehirns: Struktur als Organ (Gehirnwindungen) wie auch abstrakt (Redensarten, Theorien über das Gehirn als Sitz de Seele usf.). In seinen Bildern verzerrt er das menschliche Gehirn bzw. er verzerrt die Teile des Gehirns für eine Komposition aus Stammhirn, Kleinhirn, Furchen und Windungen. So heißen seine Bilder: „Großhirn“ oder „höher als alle Vernunft“, “Hirnverbrannt” oder “dreaming Brain”. In dem Bild „Hirnbürger oder homo sapiens“ kritisiert Bredemeyer die Kultur und Lebensphilosophie von Schnellrestaurants: Schneller Konsum und schneller Umsatz würden den Genuss verhindern. Die beiden Teilen des Gehirns dienen als obere und untere Brötchenhälfte, in der Mitte Hackfleisch stilisiert als Gehirn.