Tiefdruck erkennt man am sogenannten Zackenrand oder Sägezahneffekt. Bilder, Buchstaben oder Striche sind leicht gerastert: Das sind quadratische Rasterpunkte, die teilweise nur unter der Lupe auffallen. Zu den 12 % aller Druckerzeugnissse dieser Drucktechnik zählen auflagenstarke Zeitschriften oder Kataloge wie auch Produkte der Verpackungs- oder Wertpapierindustrie.
Verfahren: Rakel und Wischer
Der nicht druckende Teil liegt höher als der druckende Teil. Nachdem die Druckform von überschüssiger Farbe mit einem Rakel oder Wischer entfernt worden ist, befindet sich die Farbe in den Vertiefungen der Druckform. Durch einen sehr hohen Anpressdruck wird die Farbe aus den Vertiefungen auf das Papier übertragen.
Rakeltiefdruck: Näpfchen und Stege
Für industrielle Druckerzeugnisse kommt ausschließlich der Rakeltiefdruck zum Einsatz. Statt Druckplatten besteht die Druckform aus Stahlzylindern. Beim Drucken zerlegt der Tiefdruck die Druckvorlage in Raster. Die druckenden Bereiche heißen Näpfchen, die nicht druckenden Teile Stege. Die Stege sind nötig, damit mithilfe der Rakel die überschüssige Farbe auf dem Zylinder abgetragen werden kann.
Die Näpfchen werden über das Verfahren der Heliogravüre in den Druckzylinder geätzt. In mehreren Säurebädern entstehen unterschiedlich tiefe Näpfchen. Je tiefer ein Näpfchen ist, desto mehr Farbe kann es aufnehmen und desto dunkler ist auch der Farbton.
Die elektromechanische Gravur wird seit den 1960er Jahren eingesetzt. Die Firma Hell produzierte 1966 den sogenannten Helio-Klischografen, die erste elektronisch gesteuerte Graviermaschine. Wie der Name sagt, werden die Näpfchen elektronisch auf den Zylinder aufgebracht: Ein Diamantstichel schneidet Bild und Text in den Druckzylinder.
Ab 1995 graviert man mit Laserstrahl den Druckzylinder. Der Laser ist schneller, fertigt eine höhere Schreibauflösung von 2540 dpi an und liefert eine hohe Konturenschärfe. Die Laserdirektgravur verwendet man für Etiketten oder Verpackungen.
Nachteile: Missing Dots
Wie schon erwähnt, leidet beim Tiefdruck das Druckerzeugnis aufgrund der Rasterung der Druckvorlage. Dabei kann es passieren, dass einige Näpfchen zu wenig Farbe aufnehmen und somit zu wenig Farbe auf das Papier übertragen und dadurch fehlende Rasterpunkte – Missing Dots – entstehen. Fachleute bewerten die Qualität von Tiefdruckprodukten anhand einer Quote von Missing Dots. Mit elektrostatischen Druckhilfen kann die Fehlerquote minimiert werden.
Tiefdruck: Industrie und Kunst
Im Rotationsdruck liegt die Druckleistung pro Stunde bei 60 000 Seiten. Für weniger auflagenstarke Druckerzeugnisse gibt es Bogendruckmaschinen. Sehr gute Ergebnisse erzielt man mit dem Bogentiefdruck etwa für Zigarettenpackungen, Tetra-Packs oder Banknoten. Die Genauigkeit zwischen Kopie und Original ist im Tiefdruck sehr hoch.
Auch Künstler bedienen sich des Tiefdrucks für ihre Werke. Es gibt zwei Varianten: Entweder die Radierung – das Wegritzen von Material mit der Radiernadel – oder das Ätzverfahren – das Wegätzen von Material mit Säure. Das Druckverfahren ist also ähnlich wie in der Industrie: vertiefen, färben, drucken.